Roadtrip, auf Tour durch den australischen Osten

Das Warten hat ein Ende

Donnerstag, 29.10.2009

Drei von drei Lebensabschnittsgefährtinnen waren der Ansicht, diese Reise wird nicht mit ihnen, aber auch nicht ohne sie stattfinden. Nun, wenn man Träume schon nicht miteinander teilen kann, sollte man es mit dem Leben auch nicht tun. In den nächsten sechs Wochen werden wir daher nicht nur den australischen Osten erkunden, sondern auch ein Stück weit uns selbst.  Um die Ereignisse festzuhalten und die daheim gebliebenen ein Bisschen bei uns zu haben, schreiben wir diesen Blog. Dazu erst einmal der Plan und ein Paar Bilder zur Motivation:

  • Wir starten von Berlin - Frankfurt nach Hongkong, wo wir 15 Stunden Aufenthalt haben

  • Nach einer Stadtbesichtigung geht's weiter nach Cairns, Queensland

  • Dort holen wir 2 Bushcamper und fahren 12 Tage durch Cape York bis zum nördlichsten Punkt der Halbinsel und zurück

  • MännasseChilli Beach

  • Wieder in Cairns tauschen wir die Camper gegen ein fünf Mann Wohnmobil

  • Camping

  • Nun geht es entlang der Ostküste bis zu den Whitsunday Islands. Wir werden dort für 5 Tage eine Jacht chartern und das Corallenmeer erkunden

  • Morning Mist vor AnkerSteffen beim Tauchgang

  • Danach geht es weiter bis Brisbane, wo nach 5 Wochen Sven und Andi die Heimreise antreten werden

  • Brisbane bei Nachtabwärts

  • Holger und Steffen fahren noch eine Woche weiter bis Sydney und fliegen von dort aus zurück nach Berlin

  • Surfers ParadiseSydney Hafen

Viel Spaß beim Lesen!

Hongkong und der verlorende Twin

Samstag, 31.10.2009

 Hongkong PanoramaHafenPeak-Aussichtspunkt über HongkongHongkong bei Nacht

Nach 11 Stunden und mindestens vier Videofilmen sind wir heute früh um 8 Uhr Ortszeit in Hongkong gelandet. Während des Fluges schien jedoch einer der Mitreisenden eine Feldstudie über die Auswirkungen von Blähungen auf das Flugverhalten und die Druckverhältnisse in der Maschine gemacht zu haben. Ob das Flugzeug dadurch schneller wurde oder mehr Auftrieb  bekam, ist uns leider nicht bekannt. Da unser Weiterflug Richtung Cairns erst um 23.50 Uhr geht, hat die Cathay Pacific eine kostenlose Stadtrundfahrt organisiert. Stadtführer war der allseits beliebte und hier hoch geachtete Willi, der für jede Nationalität einen Spruch auf Lager hatte. Für eine Metropole mit 7 Milionen Einwohnern ist Hongkong tagsüber wie ausgestorben. Nachts hingegen scheinen die Einheimischen aus ihren Wolkenkratzern zu kommen, die nicht nur die Haupt-, sondern auch so ziemlich die einzige Attraktion sind. Im Laufe des Tages erweitert sich unsere kleine Truppe durch zwei weitere Landsleute. Dazu haben wir ein kleines Zuschauerrätsel. Was alle gedacht aber keiner sich auszusprechen gewagt hatt, wird hier dem aufmerksamen Betrachter nicht entgehen. Auf welchem Foto findet ihr die geringsten Unterschiede?  

 Twin 1Twin 2

Als Stop-over Location ist Hongkong jedoch optimal. Es gibt viel zu Besichtigen, aber nicht genug zum Bleiben. Die Tsing Ma Brücke ist durchaus beeindruckend, der Walk of Stars wohl eher kitschig, der Man Mo Tempel mehr armselig als andächtig, die Zahnradbahn hoffnungslos überlaufen und der Ausblick vom Peak nett, aber vernebelt. Den zweiten Tag in den Beinen geht's nun zurück zum Flieger und weiter nach Cairns.

 

 

Der Anfang hat ein Ende

Sonntag, 01.11.2009

Geschafft, wir sind über Australien und überfliegen Cape York. Ungläubige Blicke treffen den Reiseleiter Steffen. Endlose Weiten, Buschbrände und einsame Straßen bis zum Horizont. Die Spannung erhöht sich spürbar. Landen, duschen, umziehen und auf zu Briz. Es geht los. Endlich mal eine wirklich männliche Art sich fort zu bewegen. Das durstige blubbern der 4,5 Liter V8 Land Cruiser mit Allradantrieb und 180 L Diesel im Tank lässt das Männerherz doch gleich etwas höher schlagen. Nach eingehenden Studien des fahrbaren Untersatzes stürzen wir uns todesmutig in den Linksverkehr, was die Nerven gleich blank liegen lässt, alles ist auf der falschen Seite. Was ist nun richtig: rechts vor links, links vor rechts oder oben vor unten. Was interessiert uns das eigentlich, der Killergrill schafft Selbstvertrauen. Danach wird es nicht einfacher, 4 hungrige und übermüdete Kerle beim Einkaufen. Das ist wie mit der Freundin beim Schlussverkauf. 400 Dollar und 2 Grillhänchen später suchen wir ein Nachtlager. In Palm Cove werden wir in traumhafter Lage fündig. Landsmann Horst lässt uns für 20 Bugs auf seinen Campingplatz, Blick aufs Meer inklusive. 17:00 Uhr legen wir uns nur mal kurz aufs Ohr. 13 Stunden später gibt's dann Frühstück am Strand.

 

.Flughafen CairnsFrühstück am StrandPalm Cove

Endlich geht's los

Montag, 02.11.2009

Dschungel meets OceanCape TribulationKasuar mit SteffenDschungel trifft StrandCape Tribulation

Der heutige Tag begann mit einem ausgiebigem Frühstück am Strand und einer anschließenden Fotojagd auf die heimische Vogelwelt. Die hiesigen Tauben fressen alles, heißen Gelbhaubenkakadu und kosten bei uns 2000 € in der Zoohandlung, was für ein Beschiss. All die anderen Vögel konnte nur Andreas bestimmen. Wir verließen Palm Cove Richtung Daintree N.P., überquerten den Daintree River mit der Fähre und stießen prompt auf ein Verbotsschild: „Possession of alkohol in Aborigini comunitys prohibited“ Was tun, wir mussten da durch? Zwei Liter Mount Gay Rum wegschütten oder Druckbetankung am Nachmittag? Aber was sind schon 18 Monate Knast oder 75000 $? Ein Männertrip verlangt eben männliche Entscheidungen.
Auf unserem weiteren Weg warnten zahlreiche Schilder vor kreuzenden Kasuaren. Nachdem wir keinen fürs Abendessen überfahren konnten, wollten wir diesen Riesenvogel wenigstens einmal gesehen haben. Für 132 $ Gesamteintritt in den Jindalba Boardwalk, ließ sich am Ende einer mit Steffen in der Touristeninformation fotografieren (siehe Foto).
Holger war auch stets bemüht unsere Vorräte aufzufüllen. Ein Känguru, ein Pferd und eine Kuh entgingen seinem Kühlergrill nur knapp. Am Abend sorgt ein Buschfeuer für knisterne Atmosphäre. Für gute Fotos nimmt man schon mal eine Rauchvergiftung in Kauf und baut das Stativ da auf, wo andere das Weite suchen. Anschließend evakuieren wir uns gut durch und leicht rauchig in Richtung Cooktown. Die Zeltplatzpreise werden in nördlicher Richtung auch immer teurer. Ob an diesem Abend Rum in der Cola war bleibt unser Geheimnis, nach Spagetti zum Abendessen gingen die Lichter aus. Denn Licht lockt Insekten an, Insekten Frösche und Frösche Schlangen. Wir lernen dazu!

Die Australische TaubeFlussquerungBuschbrandCampingidylle

The Hills have Eyes

Dienstag, 03.11.2009

WegbesprechungBaden verbotenCreekReifenpanne

Wir verlassen Cooktown in Richtung Lakefield Nationalpark. Die Straßen werden immer schlechter und andere Fahrzeuge immer seltener. Roter Boden, Meter hohe Termitenhügel und über Kilometer hinweg brennende Wälder und Steppen prägen diese Landschaft. Die Endeavour- und Isabella Wasserfälle sind nur noch Gerinsel, die Trockenzeit hat ihren Höhepunkt erreicht. Die Self Registration Points für Besucher bestätigen unsere Vermutung: außer uns ist scheinbar kein weiter Besucher in einem Gebiet von der Größe Brandenburgs. An den wenigen Tümpeln wie dem Lake Emma, der Horse Shoe Lagoon und dem Catefish Waterhole sammeln sich Tiere und Vögel. Wir bewegen uns mit Vorsicht, Schilder warnen überall vor Krokodilen, entdecken können wir jedoch keins. Immerhin kreuzt ein beeindruckend großer Waran unseren Weg. Wir erreichen die alte Cattle Station Old Laura. Ein verwilderter Stier bewacht das längst aufgegebene Gelände und hält uns bei der neugierigen Erkundung der verlassenen Gebäude auf Trapp. Wir nähern uns der Lakefield Ranger Station und suchen nach Lebenszeichen. Nicht zu spät, denn ein Reifen ist platt und unser Kompressor zerlegt uns zwei Sicherungen. Steffen kreiert schon das perfekte Horror-trash-movie-Szenario. Quietschende Windräder, verlassende Häuser und herumliegende Packungen mit Schrotmunition machen die Kulisse perfekt. Anstelle axtschwingender Hilbillies kommen doch noch zwei Ranger, wobei der Unterschied nicht wirklich erkennbar ist. Für zwei Schachteln Malboro bekommen wir wieder Luft und erreichten den Campingplatz, als Einzige natürlich. Unter den Argusaugen zahlreicher Flughunde gib's wieder einmal Spagetti ala Steffen.

FlussquerungMännasseOld Laura Cattle StationTermitenhügelTermitenhügel

Irgendwo im Nirgendwo

Mittwoch, 04.11.2009

 

 Bird LogeEndlosOn the roadCoen Wie Grabhügel

Steffen wird eins mit der Natur. Da tritt er schon mal auf ein schlafendes Buschhuhn vor dem Camper, hat einen Frosch statt einem Waschbeckenstöpsel in der Hand oder wird beim Wasserlassen von einer Schlange vertrieben. Wobei zu letzterem noch die Behauptung im Raum steht, nur den Schatten des eigenen Gemächtes gesehen zu haben. Wir lassen das unkommentiert. Das Leben im Busch ist hart und unerbittlich, um nicht zu sagen unmenschlich. Die Campingduschen sind nur lauwarm, Vögel fressen unser Brot und der Reifen ist schon wieder platt. Wir wechseln das Rad und suchen den nahe liegenden Tümpel nach Krokos ab. Ein eher kleiner Vertreter seiner Zunft hat Frühschicht und aalt sich in der Sonne. Das reicht uns fürs Erste, wir fahren los. Im Saltwater Creek machen wir ein großes Kroko aus, können es aber nicht für ein Fotoshooting motivieren. Die größte Artenvielfalt liegt jedoch noch immer auf der Straße oder klebt am Grill eines Roadtrains. In der Lotus-Bird-Loge holen wir uns noch nützliche Tips und kaufen in der Coen Aborigini Comunity für Honkong-Dollar Eis. Im Archer-River-Roadhouse endet der Tag bei Bier, Burger und einer deutschen Bedienung.

NachbarStöpselfroschWaldbrändeWildgrillSchrecke hier nicht das Wasser auf

Requiem- Der Tod kommt krass

Donnerstag, 05.11.2009

SavanneRoadtrainTermitenCampingplatzChilli Beach

Wir sind traumatisiert, niemand möchte so etwas miterleben. 2000 € kleben einfach am Reifen eines Roadtrains. Konnte der dumme Vogel nicht etwas schneller laufen oder es gar mit fliegen versuchen? Ein letzter ungläubiger Blick auf die Reste des Gelbhaubenkakadus und wir setzen unseren Weg fort, Chilli Beach ist unser Ziel. Vorbei an zahlreichen Buschbränden folgen wir dem endlosen Verlauf der roten Straße. Die Fahrt lohnt sich, der Zeltplatz liegt direkt an einem Strand, den kein Türposter hätte besser treffen können. So verlockend das Wasser auch ist, wir wollen nicht den „Kakadu machen(1)" und bleiben an Land. Stingerquallen, Salzwasserkrokodile und kopolierende Seesterne sind uns zu viel. Wir schießen noch ein Paar Poserfotos fürs Facebookprofil und schließen den Tag mit den letzten Rumvorräten.

1. Einen „Kakadu machen": Neudeutsch für der Tod kommt krass

 ChiliChill CampSeesternStrandChilli Beach

Chili Beach

Freitag, 06.11.2009

Guten MorgenDracheReisegruppe SonnenscheinIdylle pur

Bevor wir die Reise fortsetzen, nutzen wir noch die spirituellen Kräfte der aufgehenden Sonne für ein gemeinsames Training von Körper und Geist, heute: Der Drache kommt ins Dorf (siehe Foto). Danach begutachten wir noch skeptisch eine handgroße Spinne und fahren los. Wir passieren Moretons Old Telegraph Station, tragen uns ins Gästebuch ein und lernen etwas über kleine rote und sehr tödliche Beeren. Wir beratschlagen wem wir alles eine mitbringen und fahren weiter. Im Bramwell Junction Roadhouse gibt es Burger und Diesel, danach steuern wir den Eliot- und Twin Falls Campingground an. Ein Teil des Weges führt über den Old Telegraph Track, eine Legende in 4WD Magazinen. Dieser hält was er verspricht. Die Flussüberquerung lässt die Motorhaube kurz verschwinden, dank Schnorchel und Allradantrieb aber kein Problem. Die durch Quellen gespeisten Wasserfälle sind glasklar, warm und was das Beste ist: krokodilfrei! Wir stürzen uns hinein. Die Ängste der vergangenen Tage sind dennoch allgegenwärtig. Jeder Ast wird zur Schlage, jeder Stein zum Kroko. Wir bewegen uns wie die Gnus in der Herde, das erhöht das Sicherheitsgefühl. Letztlich genießen wir doch das erste Bad.

Ameisenbau FlussüberquerungSpinneTwin Falls

Ich bin dann mal weg

Samstag, 07.11.2009

 

Eliot FallsDer SchlundNachbesprechungIm Kessel

Diese Kolumne widmen wir Andi „the Man", dem wahren Gefahrensucher und bislang einzigen Inhaber dieses höchsten Namenszusatzes. Uns zieht es zum morgendlichen Bade wieder an die Eliot-Falls. Wir erklären das Wasser für Krokofrei und stürzen uns in die Fluten. Die größte Anziehungskraft haben natürlich die terrassenförmigen Wasserfälle selbst.

Spätestens seid Winnetou's Schatz im Silbersee wissen wir, Wasserfälle verbergen Höhlen. Ein kurzer Blick dahinter lohnt sich also immer. Einen beherzter Schritt durch die Wasserwand führt hingegen schon einmal zu einer mehr durch physikalische Gesetze als von Abenteuer und Schätzen getrieben Erkundung unwirtlicher Tiefen. Und anders als im Film hatte unsere Höhle statt Treppen und Fackelhaltern nur einen tosenden Schlund, einer 2 m großen Regenwaldtoilette gleich, die sich Andi selbst herunter spülte. Während wir ein Rettungsteam zusammenstellen, kämpft Andi 3 Meter tiefer gegen Wassermassen und Orientierungslosigkeit. Die Höhle ist verzweigt und riesig, doch es gibt Licht am Ende des Tunnels. Ob es zu uns oder der nächsten Welt führt steht in diesem Moment nicht endgültig fest. Die himmlischen Gestalten am Ende waren dann doch nur wir, für Andi jedoch von nicht geringerem Zauber. Wir ziehen ihn raus, mehr um Erfahrung und Schrammen als um Schätze reicher. Durst bekommt er an diesem Tag auch keinen mehr, mit Ausnahme der Runden Bier zur Konfliktbewältigung. Wir fügen unserem Wortschatz eine neue Vokabel hinzu: den Andi machen (1)

Wir setzten unseren Weg nach Norden fort, wobei wir die wohl kürzeste und teuerste Fährverbindung der Welt über den Jardin River nutzen mussten. Zwei Fähren hinter einander hätten glatt eine Brücke ergeben aber unsere 170 $ erhalten immerhin einen Arbeitsplatz. Wir passieren die Bamaga Comunity, bewundern noch das Wrack einer Douglas DC3 und erreichen Pundsand Bay, wieder einmal Camping mit Südseekulisse. 

(1) Den Andi machen: Neudeutsch für - Fast den Kakadu machen

Douglas DC-3teuerste Fähre der WeltJardin RiverPundsandbay Camping Side

Das Cap

Sonntag, 08.11.2009

Woher die Ureinwohner Peninsulas ihre Tänze haben bekamen wir zum Frühstück in einer Spontanperformance von Holger dargeboten. Ursächlich dafür war eine 6 cm große Huntsman-Spinne, welche es in beachtlicher Geschwindigkeit vom Boden bis auf seine Schultern geschafft hatte. Er Frühstückte dann lieber im stehen weiter. Wir brechen zum Ziel unserer Reise auf,  Pajinka oder auch Cape York. Nachdem wir uns akkreditiert hatten (siehe Foto), stiegen wir zum nördlichsten Punkt des australischen Festlandes auf. Das offizielle Schild wurde leider gestohlen und durch ein handbemaltes Nummernschild ersetzt. Als Höhepunkt unserer Tour müssen wir das leider ablehnen und wählen die nahe gelegene Windrose für ein Zielfoto. Von nun an geht's nur noch nach Süden. Bier, Burger und deutsche Bedienung lösen eine beispiellose Rallye über 500 km aus. Noch ein Badestopp an den Fruitbatfalls und wir erreichen zum Sonnenuntergang das Archer River Roadhouse.

CapFuitbatfallsJunglepfadAkkreditierungHuntsmanZielfoto

Wir bremsen auch für Buschhühner

Montag, 09.11.2009

Nein, wir meinen nicht besonders stark behaarte einheimische Frauen sondern die wirklichen Buschhühner, welche stundenlang am Straßenrand warten müssen, um dann vor dem einzigen Auto weit und breit noch schnell die Seite zu wechseln. Vielleicht hat Steffen auch an jenem schicksalhaften Morgen, da er auf Eines trat, den Zorn eines Chasing Chickens heraufbeschworen. Dieses gefürchtete australische Verfolgerhuhn lauert uns nicht nur an Straßen auf, sondern auch jeden morgen vor unserem Camper. Auf verschlungenen Pfaden kürzt es scheinbar immer wieder ab, um uns aufs Neue zu überraschen und unsere Bremsen an Belastungsgrenzen zu bringen. Vielleicht gibt es auch einfach tausende davon, wir glauben aber an die alte Sage und opfern ihm Reis zur Besänftigung. Ansonsten jagten wir 500 Km über staubige Pisten um im Pub von Mount Molloy den Mauerfall bei reichlich Bier zu feiern. Ohne diesen Tag säßen wir jetzt eher im Kaukasus als in Australien.

. VerfolgerhuhnBramwel Junction Roadhouseunendliche WeitenArcher Roadhouse20 Jahre Mauerfall

Der mit dem Koala tanzt

Dienstag, 10.11.2009

OstküstePanoramaDie Schönen und das BiestBaden verboten

Auf dem Weg nach Cairns besinnen wir uns des Kakadus und der treffenden Worte eines Fremdenführers über Roadtrainfahrer: „Put a knife in the tire of these fucking drunken bastards and it will cost them a thousand bugs". 1 Meter Sicherheitsabstand pro 10 Tonnen Gewicht ist hier wohl die Faustformel. Wir fahren rechts ran und äußern unseren Unmut in internationaler Zeichensprache. Warum Roadtrains hier zweifelhaften Ruf genießen sagen ihre Daten: Sie sind bis zu 55 Meter lang, haben ein Gewicht von bis zu 130 Tonnen und benötigen schon mal 3-4 km Bremsweg!                                                                                                                              Im Zoo von Cairns können wir nun das besichtigen, was uns auf unserem Trip leider oder auch Gott sei dank nicht begegnet ist. Steffen sieht seinen Kasuar, Andi streichelt Koalas, Holger Schlangen und Sven Kängurus. Wir campen wieder bei Horst in Palm Cove für 20 Bugs und finden ein Internetcafe. Die Datenübertragung scheint allerdings immer noch mittels Buschtrommeln zu erfolgen

Roter Panda-Langweiler des WaldesWombad-Bulldozer des Waldesgefährliches SpielBeamtenjob


 

Sozialistische Grüße aus den Tablelands

Mittwoch, 11.11.2009

Wir nutzen mal ein anderes und für diese Region durchaus ungewöhnliches Fortbewegungsmittel, die Rainforest Sky Rail, eine Seilbahn quer durch den Urwald. Sie führt hinauf in die grüne Hölle der Tablelands und die Souvenierhölle von Kuranda, einem touristischen Retortenstädtchen mit Nippes aus aller Welt. Wir kaufen welchen und stärken uns bei German Tucker mit Thüringer Rostbratwurst und Bier aus der Eifel zu „du hast den Farbfilm vergessen", „Lass deinen Drachen steigen" und „seid bereit ihr Pioniere". Wir trauen unseren Ohren nicht aber die Japaner stehen drauf, die Hütte ist voll. Wir verabschieden uns mit seid bereit immer bereit und fahren mit der Scenic Railway zurück nach Cairns. Die über 100 Jahre alte Strecke führt vorbei an den Barron Falls, die zur Regenzeit ein schier unglaublicher Anblick sind und schlängelt sich durch die Berge und den Urwald herab ins Tal. Der Abend endet mal wieder im Pub bei Karaoke.

Palm Cove mit StingernetzenSkyrailPubSvenis LeidenschaftTablelandsRailway

Rollheimer

Donnerstag, 12.11.2009

Wir tauschen unsere Buschcamper gegen die Enterprise der Landstraße. Der Traum eines jeden Rollheimers mit Kombüse, Befehlsstandstand, Mannschaftsquartieren, Kommandobrücke und sogar Torpedoschacht. Da sich zu Letzterem jedoch kein Wartungspersonal findet, verzichten wir auf diesen Komfort und beamen für weltliche Bedürfnisse öfter mal auf die Oberfläche. Die Vorratskammern werden aufgefüllt, dann kommt der Schock. Es ist einfach unmenschlich, wir sind traumatisiert und den Tränen nahe. 0,75 L Rum kosten hier sage und schreibe 45$, das sind 28 €! Angesichts dieser Alkoholpreise und der australischen Frauen tickt hier sicher schon die demografische Bombe. Es geht wieder durch die Tablelands in Richtung Savanne. Der Regenwald macht sich alle Ehre, es gießt aus allen Kannen kaum das man drin ist. Wir bewundern den 500 Jahre alten Kathedralenfeigenbaum und die Glas klaren Kraterseen Lake Barrine und Lake Eacham, baden eine Runde und steuern den örtlichen Campingground an.

Lake EachamLake BarrineKathedralenfeigenbaumImmergrüne Tablelands

Campingidylle

Freitag, 13.11.2009

Curtain Fig TreeWanderungWallaby mit BabyCamping

Nach 2 Tagen Stadt, Touris und Regen zieht's uns wieder ins Outback. Das Wetter hier ist ein Phänomen für sich. Während die Wolken in den immergrünen Tablelands festhängen, fällt ein Paar Meter weiter in der Savanne kein Tropfen mehr. Wir baden noch in den Millaa Millaa Wasserfällen und besichtigen den 1200 Jahre alten Curtain Fig Tree, ein echter Streich der Natur. Die Innot Hot Springs hingegen haben den Charme einer FDGB Ferienanlage und laden eher zum Weiterfahren ein. Wir erreichen die Undara Lava Lodge und richten uns häuslich ein. Alte umgebaute Bahnwagons schaffen eine ganz eigene Atmosphäre. Ein kleines Felsenwallaby nimmt am Abendessen teil und stopft sich eine ganze Kartoffel rein, zum Frühstück gesellt sich eine ganze Wallabyfamilie zu uns, mit Knirps im Beutel. Am Morgen machen eine Outbackwanderung und besichtigen die Lava Röhren unter der Savanne. Danach geht's wieder über die Berge und Richtung Küste, nach Mission Beach.

LavatubesLavahöhleFelsenwallaby zu GastPanorama

Pause

Sonntag, 15.11.2009

Wir verharren in Mission Beach. Getreu der „Ost" Interpretation des Westerlandliedes „Es ist zwar etwas billiger, doch ist man unter sich" bleiben wir unserem Hillbillie Campingplatz für 18 $ die Nacht treu und streicheln fleißig die zahlreichen Hunde unserer Nachbarn. Am morgen noch eine Runde Kanu, ein Bad hinterm Stingernetz und Entspannen, jeder auf seine Art. Während Holger und Andi literarieschen Gelüsten im Schatten einer Palme frönen, erkunden Steffen und Sven das nahe gelegene Dunk Island. Wir sammeln Kräfte für die morgigen 5 Stunden Rafting auf Stufe 4. Mit Rücksicht auf Andi natürlich, der gerade Stufe 6 (unbefahrbar) ohne Boot hinter sich hat.

Mission BeachDunk-IslandPaddeln WassertaxiSonnenaufgang Mission Beach

Rafting

Montag, 16.11.2009

Eigentlich müssten wir den Urlaub an dieser Stelle abbrechen. Man sollte ja immer dann aufhören, wenn es am besten ist. UND BESSER ALS HEUTE GEHT'S NUN MAL NICHT!!! Wir waren 5 Stunden raften auf dem Tully-River. Die höchste Schwierigkeitsstufe für Nicht-Profis und bereits zahlreiche Todesfälle. Mehr Gründe brauchen wir nicht um mitzumachen. Zudem hatten wir den besten Wasserstand, konnten von ganz oben starten und das komplette Programm genießen. 20 Km quer durch den Dschungel, Wasserfälle mit Ausstiegsgarantie, Überschläge mit dem Boot, raften durch Stromschnellen ohne Boot, Springen von 5 Meter Klippen, hängen bleiben auf Felsen, Absaufen unterm Boot und kotzende Japaner im anderen Boot. Wir sind aus dem Lachen nicht mehr raus gekommen. Selbst die Raftführer schienen von unserer Truppe, ergänzt durch zwei taffe Amerikanerinnen, begeistert und tauschten untereinander um ein Paar extra Manöver einzubauen. Das noch zu toppen wird sicher schwer werden, aber es liegt ja noch Einiges vor uns.

Tour de Schweiß

Mittwoch, 18.11.2009

Der Planet drückt und wir sind auf dem Weg nach Townsville. Die klaren Felsenpools der Crystal Creek Wasserfälle verschaffen wenigstens kurzweilige Linderung. Um uns schon mal auf das Great Barrier Reef einzustimmen besuchen wir das Reef HQ Aquarium in Townsville, sehen uns die Haifütterung an und lassen uns von Linda noch einmal die Spielverderber des Riffs erklären. Tritt nicht auf lebende Steine, ärger keine Tintenfische, schmeiße nicht mit Quallen, sammle keine Schnecken und lass die Seeschlange sich ruhig um dein Bein wickeln, die spielt nur.

WasserchillenCrystal CreekChrystal CreekAquarium

Am nächsten Tag geht's nach Magnetic Island zum Fahrradverleih. Laut Lonely Planet soll die Insel vom Drahtesel aus am besten zu erkunden sein. Als wir auf unseren wackligen Gefährten bei 35° die 14% Steigung hochstrampeln sind wir froh, keinen dieser kleinen offenen Inselbuggys gemietet zu haben. Wo bliebe denn da der Sportgeist und all die schönen bunten Visionen während der schleichenden Dehydration? Wir besichtigen die Bunkeranlagen der Insel, eine Kulisse wie aus einem Far-Cry-level (Insider) und sichten ein paar wilde Koalas.

Tour de Schweiß MagneticHorseshoebay

Am nächsten Tag erreichen wir das Hauptziel unserer Reise, einen der schönste Plätze auf diesem Planeten. Wir sind auf den Whitsunday Islands und chartern das, für was ihr uns ruhig hassen dürft.                                                                                                           

Hierzu noch der O-Ton im Yachtcharter: Was kann ich für euch tun? Wir hätten gern eine Segelyacht für 5 Tage gemietet. Ihr habt einen Segelschein? Nein. Ihr wollt einen Skipper? Nein. Ihr könnt aber segeln? Nein. Ihr seid schon einmal gesegelt? Nein, haben aber schon einmal zugesehen. Wollt ihr vielleicht lieber eine Motoryacht? Nein. Ihr würdet aber noch einen kleinen Segelkurs machen? Durchaus. Dann eine Kreditkarte bitte für die Kaution. Andere Länder andere Sitten. 

 

 

Der Lotse geht an Bord

Freitag, 20.11.2009

Ja wir haben es getan, Größenwahn gehört nun einmal zu unserer Generation. Wer es sicher im Faltboot über den Lehnitzsee geschafft hat, kann auch einen 11 Meter Katamaran durch den Pazifik segeln. Immerhin bekommen wir noch einen 3 Stunden Crashkurs im Segeln, was natürlich eher Fachsimpeln unter Veteranen wird. Damit wir nach 5 Tagen nicht den falschen Kontinent ansteuern, zeichnen wir mit einem Filzstift noch Norden, Süden und Australien ans Boot, dann kann nichts schief gehen. Wir kaufen außerdem Rum, was uns fast mehr kostet als der Jachtcharter, das hält die Moral der Mannschaft hoch und verhindert Meuterei. Auf der örtlichen Partymeile begießen wir zur Feier des Abends ausgiebig noch unseren Mut und steigern ihn dadurch gleichermaßen. Während unser neuer Untersatz seetüchtig gemacht wird, braten wir am nächsten Tag noch in der schwer angesagten Lagune von Airlie Beach und arbeiten an unserem goldfarbenen Seemannsteint. Am Ende sind wir so gut durch wie unser Barbecue am Abend und guter Dinge für den nächsten Tage auf der SMS Morgennebel. Sobald wir wieder einen Hafen anlaufen oder in Trinidad & Tobago an Land gespült werden melden wir uns.

 

 

Open Water

Samstag, 21.11.2009

Uns brummt der Schädel. 6 Stunden Seekarten, Markierungsbojen, Navigation, Schiffskunde, Segelkunde, Wetterkunde, Verhaltensregeln, Anker runter, Anker hoch, Segel raus und Segel rein. Veteran Don beweist wirklich Geduld mit uns, ist letztlich jedoch sehr zuversichtlich. Der letzte Funkspruch für diesen Tag, dann stechen wir in See: Whitsunday Escape, Whitsunday Escape - this is Morning Mist, Morning Mist on chanel 82. We have no problems, our position is Daydream Island, we dropped off the sailing guide and heading to our anchorposition at Nara Inland were we spend the night, over. Das von nun an 2 mal täglich um 8:00 und 14:00 Uhr. Dafür haben die uns auf dem teuren Kahn wirklich allein gelassen. Die Kulisse ist wie bestellt. Der weiße Katamaran gleitet durch smaragdgrüne See, eine Gruppe Delphine kreuzt unseren Weg und eine Riesenschildkröte schnauft nach Luft. Wir erreichen unsere Ankerposition bei Hook Island wo Seeadler ihre Kreise durch die Bucht ziehen. Ein zufriedenes Grinsen steht auf allen Gesichtern. Mit Spagetti, Bier, Rum und sanften Salsaklängen aus den Bordlautsprechern lassen wir den Abend ausklingen. 

 TrimaranSteuermannNara Inland BayBriefing mit DonMan @ Work

 

 

Findet Nemo

Sonntag, 22.11.2009

RiffKorallen Deep blue SeeRiffSchnorchelcrew

Ums vorweg zu greifen, wir haben ihn nicht gefunden, sind aber auch ohne Clownfisch bester Dinge. Wir kreuzen durch das Korallenmeer und üben uns mehr oder minder erfolgreich in Navigation. Irgendwann sind die GPS Daten dann doch überzeugender als unsere Version der aktuellen Position, wir entschuldigen uns bei dem Hersteller sein Gerät als unfähig bezeichnet zu haben und behaupten das Gegenteil.                                                                   Unseren Tauchspot letztlich gefunden, ankern wir in der Butterfly Bay und gehen schnorcheln. Mit einer extra dicken Schicht Creme im Gesicht und gut verpackt in unsere Stingeranzüge sind wir gegen die gefährlichen Quallen ausreichend geschützt. Das Riff bietet einen atemberaubenden Anblick, um seine Bewohner aufzustöbern muss man jedoch direkt hinab tauchen. Sven versucht es mit Wasseratmung, Holger drückt sich in der Tiefe fast die Brille ins Gehirn und Steffen schlägt mit seinen Flossen nach Seevögeln. Wir verbessern unsere Technik und machen noch die eine oder andere Sichtung. In der Stonehaven Bay ankern wir für die Nacht, genießen noch den Sonnenuntergang vor dem Schiff und schicken ein Paar alte 70er über das nächtliche Meer.

Im RiffausguckSonnenuntergangMorning MistMorning Mist vor Anker

Deep blue See

Montag, 23.11.2009
Wir werden beobachtetKorallenRiffbewohnerRiffbesucher

Heute wollen wir Strecke machen und hissen zusätzlich die Segel. Unser Ziel ist Whitsunday Island mit seinem weltberühmten Whitehaven Beach, einem Strand aus purem Silikat. Am Lagoon Rock machen wir noch einmal zum Schnocheln fest und jagen mit der Kamera die Riffbewohner um den einsamen Felsen. Diesmal ist deutlich mehr los, nur die wirklich großen Vertreter fehlen uns noch. Die schwimmen dann in der Bucht ums Boot, das Wasser ist voll von Riesenschildkröten, welche jedoch nur kurz Luft holen und dann wieder abtauchen. Steffen wird Wahnsinnig da er trotz Teamwork keine vor die Linse bekommt und droht ihnen mit Schildkrötensuppe. Sie bleiben unbeeindruckt und so gibt's keine Fotos. Eine völlig normale Nacht an Bord beginnt. Eine steife Brise aus Ost, lässt die Vessel ordentlich schaukeln und hält uns auf Trap. Immerhin will keiner seine Füße in den Sand graben, wenn er morgens vom Boot springt. Jeder überprüft im Laufe der Nacht den Tiefenmesser, die Ankerkette, den Abstand zum Strand und ob das Dingey noch da ist. Ergänzt wird das Ganze durch schlaftrunkene Hirngespinste von eindringenden Kapermanschaften, welche hervorgerufen durch geräuschvolle Kontrollgänge des einen,  wieder Kontrollgänge eines anderen Crewmitgliedes  provozieren. Nichts für Schwache Nerven, der Morgen bringt dann aber Aufklärung.

RiffRiffbewohnerSteffen beim TauchgangVorbereitungHolger beim Schnorcheln

Die blaue Lagune

Dienstag, 24.11.2009

WhithavenStrandspaziergangohne WorteLandgang

Es ist zwar etwas teurer, doch ist man unter sich. Viele Wege gibt es nicht, um den Whitehaven Beach in seiner unglaublichen Schönheit ungestört bewundern zu können. Wer die malerische Kulisse aus dem weißesten Sand der Welt, einem undurchdringlichen Dschungel und türkisfarbenem Meer ohne lästige Ausflugsboote genießen möchte, sollte schon über eine Jacht, ein Wasserflugzeug oder einen Hubschrauber verfügen. Man schätzt und grüßt sich beim morgendlichen Strandspaziergang, immerhin können wir uns diesem erlesenen Kreis temporär zugehörig fühlen. Als um die Mittagszeit die Tagesausflügler an den Strand geschwemmt werden, ziehen wir uns auf unser Wasserrefugium zurück und arbeiten an unserem Streifen freien Teint. Im Anschluss werden erst einmal alle Kameras konfisziert und belastende Fotos gelöscht. Bei all den Überflügen über unser Boot ist jedoch nicht auszuschließen, unsere Deckansicht in einem japanischen Gaymagazin wiederzufinden. Am Abend verlegen wir noch einmal in einen ruhigeren Teil der Bucht, die letzte Nacht steckt noch in den Knochen. Morgen früh geht's wieder zum Joggen an den schönsten Strand der Welt.

Vor AnkerTainten an BordSo auchSo gehts auchKontaktsuche

Das weiße Band

Mittwoch, 25.11.2009

Das BootSportplatzUnter Segelnunterwegs

Es ist doch erstaunlich zu welcher Ausdauerleistung man im Stande ist, wenn man beim morgendlichen Joggen die Sauerstoffdusche direkt aus dem Dschungel bekommt. Die Ausdauer beim Segeln hingegen ist eher eine Frage des Könnens und bei Ermangelung dessen, des Ehrgeizes. Wir haben heute von beidem nicht viel, lassen uns aber von entgegenkommenden Seglern anstecken, was die Sache nicht unbedingt einfacher macht, da niemand zum nachahmen da ist. Wir begutachten den Windhahn auf dem Mast, berechnen einen neuen Kurs und setzen volle Segel. Nach einer Stunde kurbeln, ziehen, fluchen, Knoten machen, Segel begutachten, gegen den Mastbaum rennen, Knoten wieder lösen, Finger einklemmen und GPS beobachten, bringen wir es immerhin auf stolze 7 Knoten. Segelguide Don wird dies im Nachgang mit einem anerkennenden Kopfnicken quittieren. Am Abend gehen wir noch Schnorcheln, wobei Steffen einen Rochen sichtet und Holger eine Irukandji Qualle, die 20 cm vor dem Gesicht dann doch  die Tauchfreuden schmälert. Letztere treibt uns dann doch wieder aufs Boot zurück. Jedes Paradies hat halt seinen vergifteten Apfel, hier sind es eben die sonst so harmlosen Schwabbeltiere. Wir gehen in der Cid Bay für die letzte Nacht vor Anker.

AnlegenAnkerplatzDämmerungBucht im Sonnenuntergang

The Rock

Donnerstag, 26.11.2009

TankstelleMannschaftsraumSmutjeSteuerstandKoje

Nach erfolgreicher Beutefahrt machen wir uns um zahlreiche Sonnenbrände, Seemannsgarn und 3 Kilo Sand aus Whithaven Beach reicher auf den Weg zum Heimathafen. Eine letzte Navigationskrise wird noch von den Pionier-Rocks ausgelöst oder vielmehr deren ungeklärte Position. Die kleine mal über mal unter Wasser liegende Felsinsel kann weiträumig umschifft oder direkt zur Landseite hin passiert werden. Bei der Entscheidung zur kurzen Variante flüchtet der Steuermann aus dem Ruderstand und beginnt bereits Lebensmittel ins Beiboot zu verladen. Der Felsen ist dann doch da wo die Karte ihn verzeichnet hat und wir erreichen planmäßig den Hafen. Statt Blaskapelle und kreischender Frauen erwartet uns nur Don, sichtlich zufrieden das Boot in einem Stück wieder zu sehen. Wir verabschieden uns und gehen wieder auf Achse. Nachdem die Vorratslager wieder gefüllt wurden gibt's am Abend BBQ ala Sven auf dem St,Lawrence Campinggrund.

On the Road againBBQPanorama

Auf dem Sprung

Samstag, 28.11.2009

Die Küste fliegt an uns vorbei. Auf mehrheitlichen Beschluss hin fahren wir die 500 km direkt nach Hervey Bay. Der beschauliche Küstenort ist das Tor nach Fraser Isand, der größten Sandinsel der Welt und letztem großen Ziel unserer Reise, bevor wir uns dann den weltlichen Vergnügungen der Gold Coast hingeben. Einen Tag verweilen wir noch auf unserem Campingplatz mit Blick aufs Meer, dann geht's für 2 Tage auf Inselsafari. Um den bevorstehenden Strapazen gewappnet entgegnen zu können, frequentieren wir am Morgen den "Trimm-dich-Pfad" auf der Strandpromenade. Drillsergant Steffen nimmt sich besonders der Zivilisten unserer Reisegruppe an. Um die Abhärtung perfekt zu machen, gibts am Abend noch eine Lektion "Frauenkunde", eine weitere Folge "Sex & the City". aus dem Laptop. Nur für die weiblichen Leser, wir haben alle Staffeln dabei.

Holger entdeckt noch den Nachbau eines „Breklawowa" (Brendels Klappwohnwagen) und bedankt sich an dieser Stelle bei seinem Großvater, den Prototypen vor 40 Jahren nicht für seinen Enkel patentiert zu haben.  Morgen gehts dann auf die Insel, zu Dingo, Haien und viel Sand.

BeachpumpingBBQ mit StrandblickBreklawowaDrillsergantTrimm dich

Fraser Island

Sonntag, 29.11.2009

festgefahren MonsterbusDingozaun am HotelWanderweg

Lange haben wir hin und her überlegt, sind letztlich aber doch dem Rat des Lonley Planet gefolgt und haben eine geführte Tour über zwei Tage nach Fraser Island gebucht. Nach allem wollten wir unser Glück auch nicht über strapazieren, indem wir einen Jeep leihen und uns den Tücken einer nur aus Sand bestehenden Insel stellen. Rückblickend betrachtet war diese Entscheidung genau richtig, denn schon auf den ersten Metern steckten mehr Tourikarren fest als auf der A 9 zum Wintereinbruch. Es muss doch einfach nur frustrierend sein, off-road mit seinem 5 Liter 4WD Jeep von einem überholenden Bus zur Seite gehupt zu werden, denn im ganzen Gegensatz zum Berliner Stadtverkehr dominieren hier die wuchtigen Allradmonster klar das Geschehen. Wir sausen direkt am Strand entlang und erreichen Lake Wabby. Um an den smaragdgrünen See, am Fuße einer riesigen Sanddüne, inmitten eines bewaldeten Tales zu gelangen, müssen wir einen einstündigen Gewaltmarsch durch sandige Wanderpfade absolvieren. Die erhoffte Verdichtung der Sandwege durch über gewichtige Touristinnen entsprach leider nicht unseren Berechnungen, der Badespaß dafür umso mehr. Danach geht's zum heiligen Wanggoolba Creek, der sich an einem traumhaften Dschungelpfad entlang schlängelt und dessen Sand-gefiltertes Wasser klarer und sauberer ist als alles was wir je getrunken haben. Wir übernachten im Eurong Beach Resort und nutzen noch ausgiebig die Happy Hour und Jukebox der Beachbar.

Dschungelstraßen Wanggoolba CreekLake WabbyBadefreuden im Wald

Die Insel

Montag, 30.11.2009

SchiffswrackHighwayMonkeyrockEli CreekLake McKensie

Tag zwei auf Fraser Island beginnt mit einer Kneipkur im Eli Creek. Als Wanderweg der besonderen Art folgen wir dem Fluss durch den Urwald, bis ein fehlinterpretierter Aal die Reisegruppe aus dem Wasser jagt. Wir folgen dem Strand zum Maheno Schiffswrack, den Coloured Sands bis hin zum Indian Head. Letzterer, ein beliebter Anlaufpunkt für Reisegruppen, könnte durchaus als Gibraltar von Fraser Island bezeichnet werden, das im Volksmund auch als Affenfelsen bekannt ist. Warum auch diese Parallele zutrifft lässt das Foto erahnen. Nach dem Mittagessen geht's dann endlich zum Hauptziel, dem Lake McKenzie. Der Strand besteht zu 98 % aus purem Silikat, der See selbst ist aus reinem Regenwasser, da er über keinerlei Zu- oder Abflüsse verfügt. Während sich die Frauen wie besessen mit Sand beschmieren, da der das beste Peeling verspricht, entertainen sie Steffen und Sven mit der Hebefigur aus Dirty Dancing. Wir schießen noch einige Unterwasserfotos und verabschieden uns wieder von dieser beeindruckenden Insel.

 ReisegruppeDirty DancingGrundentspannungGrundprinzipGrundlage


Gefährliche Brandung

Mittwoch, 02.12.2009

AndiCampinggroundSteffenUnterricht von Holger

Nach kurzer Fahrt erreichen wir den beschaulichen Küstenort Noosa, welcher am Delta des gleichnamigen Flusses liegt und für seine Kanäle, Modeboutiquen und Surfstrände bekannt ist. In Vorbereitung auf unseren letzten Reiseabschnitt, welcher als Surfers Paradiese bekannt schon seine Schwerpunktsetzung erahnen lässt, stürzen wir uns in die Fluten und feilen an unserer Technik im Bigwavesurfing. Leider war kein Jetskifahrer bereit, uns in die bis zu 1000 mm großen Monsterwellen hinein zu ziehen. Vielleicht hatten sie aber auch nur Angst in dem Knie tiefen Wasser auf Grund zu laufen. Sven und Andi bekommen noch ein paar Unterrichtsstunden, wobei die Lehrmethoden von Holger und Steffen durchaus voneinander abweichen. (siehe Foto). Dieses Programm setzen wir auch am nächsten Tag fort, bevor es für die Hälfte der Reisegruppe zum Schlussspurt geht.

SvenSurfing SvenUnterricht Steffen

Brisbane

Donnerstag, 03.12.2009
Brisbane bei NachtMuseum von BrisbaneRiesenradDie Gefährten
Den letzten Reiseabschnitt für Sven und Andi widmen wir noch einmal der örtlichen Fauna. Wir gedenken unserem Bruder im Geiste, Steve Irwin, und besuchen den Australien Zoo, welcher ihn und welchen er rund um den Globus berühmt gemacht hat. Beeindruckende Tiershows, Tasmanische Teufel, Komodo Varane, Koalas, Kasuare, die üblichen Verdächtigen und natürlich unser Reisewappentier, der Wombat, werden noch einmal begeistert in Augenschein genommen. Am Abend erreichen wir Brisbane und erstürmen die City. Die jede Woche um 1000 Bewohner anwachsende Stadt besticht mit traumhafter Skyline, beeindruckendem Nahverkehrsnetz und jugendlichem Charme. Das DFO Outletcenter am Rande der Stadt ist nicht leicht zu erreichen, lohnt sich aber. Gott sei Dank haben wir keine Freunde die viel von Billabong, Oakley oder Quiksilver halten oder gar 15 € für eine solche Badehose ausgeben würden. Dann hätten wir wahrscheinlich noch mehr als ohnehin schon kaufen müssen. Wir begießen den Abend gebührend und blenden für einen Augenblick das Unausweichliche aus, was am nächsten Morgen jedoch zur grausamen Gewissheit werden soll. 

Die Gefährten

Samstag, 05.12.2009

Fünf Wochen zogen wir durch verdorrte Landen, trotzten einer unbarmherzigen Fauna, entkamen dem Feuer, überlebten das Wasser und teilten die Wurst. Steffen mahnte uns immer, dies sei kein Bund für die Ewigkeit, doch wer sah schon das Ende kommen? Welche Macht der Welt könnte schon diesen Ring des Zusammenhalts zersprengen? Die Antwort traf uns wie der Donner, es war die Zeit. Unerbittlich kam der Abschied näher, Stunde um Stunde, Minute für Minute. Die Bürde des Urlaubs wurde für Andi und Sven einfach zu groß. Die Last des Rings aus Arbeit, Geld und Verpflichtungen einfach unerträglich. Die Gefolgschaft der vier tapferen Gefährten geht ihrem unaufhaltsamen Ende entgegen.                                            Mit betretenen Mienen begrüßen wir den Morgen. Was wird ohne die behagliche Nestwärme, die morgentliche Leitershow, das nervöse Trampeln ab 5 Uhr morgens? Wir wissen es nicht, unsere Welt ist im Wandel. Schon bald werden die noch so gegenwärtigen Abenteurer in die Ahnen der Geschichte eingehen und dem Schleier der Vergessenheit anheim fallen. Tapfer stemmen wir uns gegen dieses Schicksal und malen unsere Geschichten im World Wide Web, auf das sie noch an vielen Feuern erzählt werden. Während unsere Gefährten im Luftschiff die Grauen Anfurten Brisbanes in Richtung der kalten Landen verlassen, helfen wir uns in „Wet 'n' wild Water World" über den so eben erlittenen Verlust hinweg. Wir brauchen Kraft für den kräftezehrenden letzten Teil der Reise, das finstere „Surfers Paradise"!

abwärtsAbschied fällt schwerKonfliktbewältigungWild n Wet

The Beach

Montag, 07.12.2009

Surfers ParadiseGold CoastIdylle der anderen ArtWellen satt

Ein 35 Km langer und 100% touristisch erschlossener Strand bilden südlich von Brisbane die Gold Coast. Wie so vieles in Australien führt auch dies zu bisweilen surrealistischen Anblicken. So surft man vor 300 m hohen Wolkenkratzern und fühlt sich mit seinem Caravan wie in einer Imbissbude in Manhattan. Naturbeobachtungen zur Nachtzeit sind hier ebenso möglich, sollte man betrunkene Horden nackt badender Teenager dazu zählen. Scheinbar völlig beratungsresistent und durch 300000 Hautkrebsfälle pro Jahr nicht abzuschrecken, bruzzelt am Tage das in der Mittagssonne was am Abend in neuster Mode verpackt ist. Wir genießen dies, die Wellen und das Nachtleben, bevor wir zum östlichsten Punkt Australien aufbrechen und noch Byron Bay besuchen. Ein Paar Fotos und eine weitere Badehose später sind wir auf dem Weg nach Sydney. Wieder einmal besticht das Land durch außergewöhnliche Anblicke. Buschbrände im Outback drücken ihren Rauch wie einen weißen Schleier in die immergrüne Great Dividing Ranch und lassen eine blutrote Sonne untergehen, bevor Blitze den fernen Nachthimmel erleuchten. Zwischen ein Paar Trucks machen wir es uns auf der Interstate gemütlich, als uns dann doch die Augen zu fallen.

Byron BayÖstlichster PunktLeuchtturm

So weit die Räder tragen

Mittwoch, 09.12.2009

Alt trifft neuHier auchOper und Harbour BridgeHafen bei NachtSydney Hafen

Wir sind in Sydney und damit am Ziel unserer Reise. 6000 km buckliger Pfade, staubiger Pisten und endloser Highways liegen hinter uns. Meisterlich nehmen wir noch die letzte Hürde, navigieren mit einer A5 Karte von Sydney quer durch die Stadt und erreichen um einige graue Haare reicher den Campingplatz in der Botany Bay. Am nächsten Morgen ziehen wir den Bus vor und fahren ins Zentrum von dem, was vor 200 Jahren noch eine Sträflingskolonie und einzige Alternative zum Galgen war. Man kann sich des Eindruckes nicht erwehren, seit dem habe sich einiges verändert. Aboriginis blasen zu Technoklängen ins Didgeridoo, koloniale Altbauten konkurrieren mit Wolkenkratzern, Anzüge mit Badeshorts und hektische Geschäftigkeit mit touristischer Entspanntheit. Routiniert machen wir unseren Streifzug durch die City. Es geht vorbei an der berühmten Opera, der Harbour Bridge, dem Government House, Custom House, Royal Botanic Gardens, Town Hall, Victoria Building, St. Marys Cathedral, Sydney Tower, The Rocks und dem Circular Quay. Zu unserer Verabredung mit Steffi sind wir dann so pünktlich wie die australischen Busse. Schuld daran ist aber die Zeitumstellung zwischen Queensland und New South Wales, welche wir nicht so recht mit einkalkulierten. Jedenfalls ist Steffi sehr viel toleranter als es sicherlich die Fluggesellschaft gewesen währe und wartet eine Stunde auf uns. Wir feierten das Wiedersehen unter Berlinern traditionell australisch im „Löwenbräu", grillen im „The Oak" unserer Abendessen selbst und lassen den Abend gepflegt mit Wein und Blick auf die Skyline aus-klingen.

Da unser Camper außer Reichweite ist und wir nach 6 Wochen unter Männern sicherlich schon Testosteron aus schwitzen, überlässt uns Steffi bereitwillig ihr Schlafzimmer und flüchtete auf ein Feldbett. Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal für den schönen Abend und die nette Unterbringung. Die letzte Chance mit Sonnenbrand zurück zu kehren verhagelt uns leider eine Wolkendecke am nächsten Tag. Wir entspannen noch etwas und spielen schon mal Weihnachtsmann für dankbare Backpacker, da unsere Vorräte aufgelöst werden müssen.

Im Biergarten mit Überblick

 

Final Destination

Freitag, 11.12.2009

Schlaflos in Hongkong

An dieser Stelle verabschieden wir uns aus Australien und treten ein bisschen wehmütig aber nicht ohne Vorfreude auf Glühwein und Weihnachtsmärkte die Heimreise an. Wir hoffen das euch unser Reiseblog mindestens so gut gefallen hat wie uns die Reise selbst. Wir werden ihn später auch noch etwas aufpolieren und um einige Fotos ergänzen. Wer also nochmal rein schauen möchte, wird sicher das eine oder andere Neue entdecken.Den Rest erzählen wir euch aber auch gerne selbst.

Impressum:

Allen voran haben wir Steffens Bruder zu danken, welcher uns durch seine Webside lästiges Schreiben von Urlaubskarten, Telefonkosten und endlose Reiseberichte im Anschluss erspart hat.

Vielen Dank an dieser Stelle auch für die zahlreichen Kommentare und Grüße, die wir immer gern gelesen haben. Besonders sei dabei Ingmar erwähnt, dessen Mitreise der demographischen Entwicklung unseres Landes geopfert wurde, seine linguistisch wertvolle Beiträge ihn aber im Herzen immer dabei sein ließen.

Unsere Danksagung gilt weiterhin den Vögeln dieses Landes, welche wir auch liebevoll als Dschungelwecker oder Baumpenner bezeichnen. Ohne sie hätten wir es sicherlich nicht jeden Tag um 6:00 Morgens aus dem Bett geschafft.

Entschuldigen müssen wir uns bei den australischen Brüllfröschen, deren massenhaften Tod wir auf dem Gewissen haben müssen. Wir fanden zwar nie ihre Leichen, wissen jedoch, dass sie ein furzendes Geräusch machen, wenn man auf einen drauf tritt.

Vielen Dank auch an den Hersteller der Geflügelwurst, deren 3% Fleischanteil uns durch alle Speisen begleitet und die Angst vor Campingtoiletten genommen hat.

Ebenso gilt unser Dank der australischen Regierung, deren unverschämte Alkoholsteuer uns dem Anblick der hiesigen vollschlanken Damenwelt quasi schutzlos ausgeliefert hat.

Zuletzt dankt sich noch der Verfasser des Blogs selbst, da er mit ca. drei Netto Urlaubstagen mindestens soviel Zeit wie Nerven investiert hat, um in diesem Internet - Entwicklungsland die Heimat bei Analoggeschwindigkeit auf dem laufenden zu halten. Finale Anmerkungen der Leser wie: "Nur die Fotos waren noch schlechter als der Text" oder „Eine Postkarte hätte es auch getan" sind daher durchaus gern gesehen.

 

Redaktionsschluss: 11.12.09, 23:00 Uhr Honkong

Danke fürs lesen!

Danke fürs lesen

 

Autor

Wer seine Urlaube bislang der Balkonpflege oder dem Souvenirwahn seiner Frau gewidmet hat, kann an dieser Stelle aufatmen und sich für kurze Zeit in die letzte Domäne männlicher Freiheit zurückziehen: Dem Kopfkino.
Ein kurzweiliger Reisebericht mit viel Gefahr, wenig Körperpflege und endlosen Weiten, von Steffen, Andi, Sven und Holger aus Berlin.

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